Als "Aussenstehender" in fremden Gefilden

Die SuisseEmex, die Schweizer Event- & Marketing-Expo, hat vom 26.-28. August 2014 in der Messe Zürich stattgefunden. Eigentlich ist dies nicht mein Feld. Früher war ich an Business-IT und Bank-IT-Messen und seit Jahren bin ich regelmässig an der „Personal Swiss“, der Messe für HR-Themen.

 

Nun zog es mich aus reiner Neugierde an die mir bisher fremde SuisseEmex. Was soll ich dort? Ich bin ja weder in der Event- noch in der Marketing-Branche beheimatet, noch war ich je in einer solchen Funktion tätig. - War ich nicht? Nun ja, in meinen frühen Erwachsenenjahren war in den Zeiten des gesellschaftlichen Aufbruchs der 70er politisch aktiv. Dort war ich auch stark in Events und in politisches Marketing involviert.  Und viel später, in den 90er Jahren begleitete mich in der CS das Projektmarketing immer wieder. Beide Male hatte ich Spass am Marketing. Und heute? Seit ich 2003 den Sprung in die Selbständigkeit wagte, gehört doch Marketing praktisch zu meinem täglichen Brot! Warum also nicht mal den Profis über den Zaun schauen?

Und überhaupt: ist nicht jeder Mensch immer wieder ein „Marketer“ - in eigener Sache? Und sei es nur schon beim Marketing auf dem „Beziehungsmarkt“, auf dem Job-Markt, auf dem Freelancer-Markt usw.

 

Klar, in eigener Sache sind meist andere Mittel und Vorgehensweisen angesagt, als jene, die an der SuisseEmex für die Profis im B2B- und im B2C-Markt angepriesen werden. - Meist ja, und doch kann man sich auch bei den „Grossen“ immer wieder eine Scheibe abschneiden oder sich sonst wie inspirieren lassen.

 

Bei den „Kleinen“, zu denen ich als Einzelunternehmen zweifellos zähle, macht es zudem einen „grossen“ Unterschied, ob ich ein Produkt vermarkte, oder ob ich selber das „Produkt“ bin. Gerade als Coach gilt es,  authentisch zu sein, potentiellen Kunden und Klienten nichts vorzumachen (es würde sich zu schnell rächen), und möglichst gut in Kontakt mit sich selbst und seinem Herzen zu sein. Ich glaube, je mehr man sich als Coach durch solche Qualitäten auszeichnet, desto weniger müssen raffinierte Marketing-Massnahmen eingesetzt werden und desto weniger muss man sich mühsam einen passenden Marketing-Mix erarbeiten. Ganz ausser Acht lassen würde ich Überlegungen zum passenden Marketing-Mix aber nicht…

 

Spannend an der SuisseEmex war für mich auch, dass ich zum ersten Mal an einer Messe war, an der ich wirklich niemanden kannte - weder persönlich, noch vom Hörensagen. Das gab mir Gelegenheit, in die Anonymität einzutauchen, mich von meiner Intuition leiten zu lassen und Inspirationen freien Lauf zu lassen.

 

Etwas, was mich dabei immer mal wieder beschäftigte, war die Frage, was das für Menschen sind, denen ich meist von ferne begegnet bin? Natürlich kann ich nur mutmassen. Und ich lasse es mir nicht nehmen, diese Mutmassungen teilweise mit etwas Satire zu versehen: 

 

  • Wem an der Messe wurde  es in den Schoss gelegt, anziehend zu wirken und lebt dies in einer passenden Marketing-Profession aus?
  • Wer an der Messe sehnt sich eigentlich danach, so anziehend zu sein, wie es bei vielen den Anschein hat?
  • Wer vertritt mit Leib und Seele (s)ein Produkt?
  • Wem ist es ein ernsthaftes Anliegen, die "customer experience" ins Zentrum zu stellen?
  • Wer hält gerne nach neuen Wegen Ausschau, um bei potenziellen Käufern den Kaufentscheid herbeizuführen, weil er/sie sich dann mächtig fühlt?
  • Wer geniesst es schlicht, zu sehen und gesehen zu werden?
  • Wer hat Freude an der Manipulation von Kaufopfern, weil er/sie selber oft manipuliert wurde?
  • Wem ist es ein echtes Anliegen, Kunden und Anbieter in eine nachhaltige und für beide werthaltige Beziehung zu bringen?
  • Wer erwartet als Verkäufer für einen echten Wert auch einen fairen Gegenwert?
  • Wer misst Erfolg nur daran, wieviel Umsatzbeteiligung er/sie erhält?
  • Und wer ist schlicht auf das grosse Geld aus, weil erfolgreiche Verkäufer - so scheint es - überdurchschnittlich verdienen?

 

Es war spannend, neben allem anderen, was mich an der Messe begleitete, auch solchen Fragen nachzugehen.

 

Fast vergeblich habe ich dafür nach Ideen gesucht, wie ich meinen eigenen Marketing-Mix optimieren kann. Angeregt durch einen kürzlichen Event des ICF (International Coach Federation) zu eben diesem Thema habe ich immer wieder nach Lösungsansätzen oder Antworten gesucht. Gefunden habe ich höchstens Anbieter, die versprechen, mich bei der Lösungsfindung zu unterstützen… Im Gegenteil: Vor lauter „4P's“ (steht für den klassischen Mix „Product, Place, Price, Promotion“),  „4E's“, 5P's, 7Ps „SIVA“, „SAVE“, „OVER“ und was es sonst noch an Kürzeln für Marketing-Mix-Modelle gibt, wusste ich schon vor der Messe bald nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Die Messe selber hat mir diesbezüglich leider gar nichts Erhellendes gebracht.

 

Am Schluss bin ich bei der  - bereits erwähnten - Erkenntnis gelandet, dass es stets und zuallererst darum geht, selbst mit ganzem Herzen hinter meiner Tätigkeit und meinem Angebot zu stehen. Und genau das tue ich seit meinem beruflichen Wandel zum Coach - und es wird immer noch besser :-)  Der Rest ergibt sich oft fast von selbst. Fazit: Mein Marketing kommt von Herzen oder es ist nicht.

 

PS: Ein Kränzchen möchte ich doch noch jenem Unternehmen, das an der Messe angeboten hat, gratis professionelle Porträt-Fotos zu erstellen - dieses Angebot habe ich gerne genutzt ;-)

 

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